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19
Juli
Kranke Vergleiche:
Bester Nicolas Carr - reiße ich alle Wasserhähne auf, dann fließt allenfalls die Wanne über. Und das auch nur dann, wenn der Abfluss zu klein oder verstopft ist: "Carr benutzt für diese Vorgänge eine Analogie: Das Vordringen von Informationen in das Langzeitgedächtnis ist wie das langsame Füllen einer Badewanne mit einem Fingerhut. Liest man ein Buch, tropft das Gelernte langsam vor sich hin und kann mit dem Fingerhut gut in die Wanne gefüllt werden. Surft man im Netz mit all seinen Ablenkungen, sind zwar alle Wasserhähne voll aufgedreht. Doch den Fingerhut und schließlich die Wanne erreichen viel weniger Tropfen." Ah ja, wenn's also aus allen Rohren rauscht, dann gibt's viel weniger Tropfen. Und das Gedächtnis ist eine Badewanne. Gut zu wissen. Wer liest bloß solch wirres Zeug, wo die Information - wie zu des seligen Pawlow Zeiten - noch immer als ein von außen ins Hirn Gestrulltes betrachtet wird? Die letzten Behavioristen spielen mit ihren Backförmchen jetzt 'Hirnforschung' ...

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Nun, ja, zur Informationsdichte beim Lesen:
Ein guter, geübter Leser kann 500 - 800 Wörter pro Minute erfassen (und was darüber hinaus geht, erfordert auch keine Genialität, sondern Übung und Technik - 1000 Wörter pro Minute bei gutem Textverständnis sind keine Hexerei).
Selbst bei speziell für das Lesen von Texten optimierten Displays, wie sie das Ipad oder der e-book-reader Kindle haben, sind die Lesegeschwindigkeiten erkennbar langsamer als beim gedruckten Buch:
http://www.useit.com/alertbox/ipad-kindle-reading.html
Bei nicht speziell lesefreundlich gestalteten Seiten und normalen Bildschirmen dürfte die Lesegeschwindigkeit noch weitaus geringer sein.

Zum Faktor "Ablenkung": ich habe den Verdacht, dass Carr nur Websites der "Qualitätspresse" mit ihren aufpoppenden Werbebannern und aufdringlichen Klickstrecken kennt.
 
Nun ja, aber das Argument der 'geringeren Lesegeschwindigkeit' am Monitor würde dann ja gerade in Richtung auf Carr's Wünsche wirken. Es gibt dort eben keine voll aufgedrehten Wasserhähne ...

Außerdem treffe ich im Netz auch kaum Nicht-Bücherleser. Fast scheint es mir, als wären die Menschen, die online sind, zugleich auch die größeren Bücherleser. Die Alternative 'Hier das Netz - da die Bücher' ist schlicht Bullshit.

Ferner treffen beim Leser so oder so gar keine 'Informationen' ein, die sind immer schon fest installiert im Kopf des Rezipienten, in Form von 'Frames' oder 'Wissensmustern', die weitgehend durch Erfahrung geprägt sind. Erzeugen kann ich höchstens Informationsanreize, um diese Frames oder das informative Vorwissen zu aktivieren. Modifizieren muss sie der Leser dann schon selbst. Viel Lesen - ob nun off- oder online - führt nach meinen Beobachtungen in der Regel dazu, dass die Menschen mehr Frames zu einem Thema aktivieren können. Sie werden dadurch weniger selbstgewiss, weniger ideologisch und vielleicht auch entscheidungsunsicherer, dafür aber sind sie in der Regel auch intelligenter und empathischer, weil sie schlicht mehr Informationsweisen 'verstehen' können und die resultierenden Widersprüche mit ihren Kontradiktionen aushalten ...
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