letzte Kommentare / Das mit der "Querfront"... kristof / Ich hatte nach dem... chat atkins / Huhu, Herr Chat.... kristof


18
März
Soso ...
So richtig, so falsch ... ist's denn nun richtig oder ist es falsch? "So richtig es sei, dem mörderischem Treiben des Gaddafi-Regimes Einhalt zu gebieten, so falsch sei es, dies mit Krieg erreichen zu wollen, erklären die Vorsitzenden von Partei und Fraktion, Gesine Lötzsch, Klaus Ernst und Gregor Gysi." Wow - rhetorisch gesehen, ist dies ein echtes Paradox! Wie hätten Euer Lordschaft denn stattdessen "dem mörderischen Treiben" Einhalt geboten? Ich vermute mal, gar nicht. Aber hinterher hättet ihr denn ein paar Krokodilstränchen zerdrückt, weil das Falsche sich mal wieder als das Richtige erwiesen hätte, und das Richtige als das Falsche. Ach ja, die Welt ist schon verwirrend ... und auch der Anti-Dänismus in Deutschland könnte durch solch unüberlegte Aktionen bekanntlich rapide wachsen: "Dänemark will sechs F-16-Jets und ein militärisches Transportflugzeug nach Libyen schicken, um dort dazu beizutragen, die Flugverbotszone einzurichten."

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Da fühle ich mich als Fußvolk der Partei Die Linke herausgefordert, Stellung zu nehmen. Ja, die Haltung der PDL (Partei Die Linke) zu Libyen ist erbärmlich.

Da wagen viele, viele Menschen die Revolution -- genau das ist es -- gegen eine Diktatur und die PDL stellt sich hin und verkündet, militärische Intervention sei bäh. Ja -- was glauben denn die Genossen -- ist eine Revolution in einer Diktatur etwas anderes als ein militärisches Vorhaben? Ich sehe gerade auf Phoenix die Bundestagsdebatte mit Jan van Aken (Die Linke), der viel richtiges bzgl. der Waffenlieferungen in diese Länder sagt, aber kläglich darin versagt, eine Nichteinmischung zu Ungunsten der oppositionellen Kräfte zu rechtfertigen. Hier muss in seiner Argumentation die Gefahr des amerikanische Imperialismus herhalten, um tatenlos zuzusehen, wie die Opposition mit militärischen Mitteln niedergemetzelt wird.

Sollte je ein Land eine Revolution gegen die Diktatur im eigenen Lande planen, dann ohne die Partei Die Linke: Die ist die erste, die einen im Stich läßt. Und hinterher »ein paar Krokodilstränen zerdrückt«. (vielleicht doch "verdrückt"?)
 
Ich denke, ein wenig fallen sie biographisch-reflexhaft auch auf die Vorstellung hinein, dass der Gaddafi ein (selbst ernannter) "Revolutionär" sei, und sein Regime ein "Revolutionsregime". Also kann es sich bei einem Aufstand dagegen doch nur um die "Konterrevolution" handeln - richtig klar ist ihnen aber sicherlich nicht, was in ihrem Dämmerstübchen da oben so alles abgeht.
 
Uaah! Hoffentlich hast Du nicht recht, was Libyen als »(selbst ernannter) "Revolutionär"« der Linken angeht.

Ebenso wurde dazumal die Revolution am Tianmen-Platz von Seiten der Linken (damals: SHB, MSB) als Konterrevolution eingestuft. Aber inzwischen sollte man doch aus der Geschichte gelernt haben!

Nein, was ich glaube, ist, dass sich die Linke gerne in den bequemen Glaubenssatz flüchtet: Interventionen sind generell böse. Die Linke will nicht von Fall zu Fall entscheiden, sondern alle Fälle einer Regel unterwerfen. Das macht es einfacher für das linke Gewissen.
 
Gab's den MSB seligen Andenkens noch, als es zum Tianmen-Massaker kam?

Faktisch ist man mit einer solchen Einstellung nie 'links', sondern nur ein erbärmlicher Haufen von Büroklammern, der alles bei den verstaubten Akten im Archiv ewiger Wahrheiten abheftet, auf jenen Regalen, die beschriftet sind mit "absoluter Pazifismus ist die einzige Lösung" oder "Alle Kriege sind imperialistisch", statt lieber selbst zu gucken und zu denken. Kein Wunder, dass man stets verliert ... das gehört ja fast schon zum Selbstgefühl.
 
sorry, dass ich mich einmische,
normalerweise stimme ich mit Chat ca 99% überein, und versuche, mein Prozent zu addieren.

Jetzt mach ichs mal andersrum.
...Wow - rhetorisch gesehen, ist dies ein echtes Paradox! ...
Nein.
Ist es nicht.
Würde ja heissen, dass man 'Krieg' a-b nur mit 'Krieg' c-a beantworten kann.
a) das, was in Libyen passiert, ist nicht notwendig als Krieg zu bezeichnen.
Aufstand-Rebellion-asymmetrischer Konflikt-...
Das Begriffsarsenal ist vielfältig.
b) Eine Parteinahme, mit welchen Mitteln auch immer, ist nicht unbedingt mit Parteinahme in Form von 'Krieg' gleichzusetzen.

* Schaut man sich Libyen auf der Karte an, so sieht man, dass geschätzt 85% der Bevölkerung max 30km von der Küste entfernt leben. mit ein paar Ballungszentren.

Ist ein UN-gestütztes Flugverbot, durchgesetzt mit Flugabwehrwaffen 'Krieg'?
Nein.
Siehe Flugverbotszonen im Süd-Irak zZ Bush I & Clinton.

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zu dersaezzer's Kommentar:

Eine militärische Intervention ist nicht notwendigerweise Krieg.
...
ist eine Revolution in einer Diktatur etwas anderes als ein militärisches Vorhaben?
...
Natürlich ist es etwas anderes.

Tianmen...
Was war das?
Ein 'Krieg' jedenfalls nicht.
Ebensowenig wie der Prager Frühling inklusive des Einmarschs der Russen.
T. war die Niederschlagung von Regimekritikeren
P.F. und weiteres die Rückgängigmachung eines friedlichen regimewechsels mit militärischen Mitteln.

Was war Grenada?
USA-Haiti/Aristide?

Ihr seht, ich habe erstmal ein Begriffsproblem.
Und genauso ein Problem, welche Mittel anzuwenden sind.

(Ähnliche Probleme: Assange/Vergewaltigungsvorwürfe; Manning/Folter)

Von 'Störfall' bis 'Sicherheit' --immer wieder dieselben Probleme.

Was man zuallerserst bedauern muss: Die Verluderung des Begriffsapparats und seine böswillige Sabotage.

Damit will ich nichts beschönigen. Mein Herz ist hoffentlich an der richtigen
Stelle. Das kann ICH aber nur hoffen und argumentativ unterlegen. Beurteilen müssen das die Anderen!

Wie es heisst, ist der präfrontale Cortex, wo das 'Denken' hauptsächlich stattfindet, hptschl eine HEMMUNGS-Instanz, und unsere alten Hirnregionen auf Stimmungen und Reflexe spezialisiert.

Amen.
 
GAU--Super-GAU als aktuelles Beispiel
Dazu gibt es ja ein Klassifizierungs-System.
(Ob das richtig ist, oder nicht, ist nicht die Frage. Das gib6t es, und es ist Arbeitsgrundlage)

Der GAU ist 'der grösste anzunehmende Unfall', der in einer Szenario-Analyse berücksichtigt wurde, und wo es METHODISCHE Gegenmassnahmen geben kann.
Der Super-GAU ist eben alles das, was AUSSERHALB des Kategoriensystems liegt: --Black swan--

Deshalb sollte klar sein, dass Fukushima ein 'Super-GAU' ist. Ganz egal, was letztlich die Konsequenzen sind.

Jetzt kann sich jeder fragen, was SEINE Klassifizierungen sind, und wieso er ggf davon abweicht?

Unser politisches Personal hat offenkundig längst vor dieser Frage kapituliert. Was ich länglich schon bejammere. Die Winkeladvokaten dort sind ja fast pathologisch gewohnt, Begriffe nach ihrem Gusto zu verbiegen.
Insofern der Begriffs-Super-GAU diverser Herrschaften von Merkel an abwärts.

Sprache und Begriffe liefern uns ein Arsenal zur Welt-'Bewältigung' (nicht als 'gewalttätig' misszuverstehen)
Dieses Arsenal ändert man nicht von heute auf morgen.

So zumindest die Theorie. Wer heute verkündet, dass 'Gott' tot ist, ohne dass er gestern das schon geahnt und begrifflich vorbereitet hätte, hat etwas falsch gemacht.

Vor der NEUEN -ähem- Sicherheit steht der Zweifel, und nicht die ALTE Sicherheit.
Da kann man nicht so einfach umschalten.

Paradigmenwechsel brauchen Zeit.
Alles andere ist unglaubwürdig.

Im Fall der Kernkraft haben den die Grünen vor 30 Jahren vollzogen, und eine gewisse 'Logik' und damit Glaubwürdigkeit entwickelt.

Dito '(Finazn)-Kapitalismus, und eben auch 'Krieg'.
Etliche Leute scheinen immer noch ihren Clausewitz im Tornister zu tragen.

Wobei ein Westerwelle oder eine Merkel (,oder ein Fischer oder ein Schröder) die ganz falschen 'Zeugen' für eine substantielle Haltung sind.

Das ist die Tragödie unseres politischen Personals, dass es Durchdringung mit rhetorischem Kabuki verwechselt.
Durch das tägliche Taktieren, oder eine Anlage zu gedanklicher Wurstigkeit haben sie jeglichen Kompass verloren.

Wir solten uns dadurch nicht anstecken lassen.
Selbst sich auf ihre täglichen rhethorischen Kapriolen einzulassen, hat schon was Infektiöses bis Radioaktives.

Distanz zu diesen von der Beulenpest befallenen Zombies ist angesagt.

Therapie kaum möglich.
Bestenfalls Quarantäne.
 
Widerspruch: Wenn sich ein zynischer Hirnie allen Reichtum eines Landes unter den Nagel gerissen hat und mit brutaler Gewalt sein eigenes Volk zuerst foltert und drangsaliert, und jetzt mit Legionären systematisch massakriert, dann weiß ich seit der großen französischen Revolution, auf wessen Seite ich dann stehe. Da brauche ich keine feinsinnigen Unterscheidungen ... in meinem Fall ist das alles also ziemlich einfach. Vielleicht bin auch nur simpel gestrickt. Dass alle westlichen Demokratien mit dem Herrn wirtschaftlich und politisch jahrelang herumgekumpelt haben - geschenkt. Besser aber spät aufwachen als nie ... hic rhodos hic salta. Und die PDL betreibt dort rhetorische Turnübungen in Wolkenkuckucksheim.
 
Dass wir uns nicht missverstehen:
Dass Gaddafi wie Saddam oder Karzai oder der Saudi-Klan allen Widerstand verdienen, ist nicht die Frage.
Die Frage ist (für mich), ob/was Aktionismus in der Angelegenheit bewirkt.
Bekämpfung eines Oberflächenphänomens, auch wenn es noch so schmerzhaft ist?

Ich bin beileibe kein Verteidiger linken Appeasements in der Angelegenheit, und schon garnicht rechter Scheinheiligkeit, die über Jahrzehnte die Regime mit 'Technologie' =synonym= eigenem 'Profit versorgt hat.

Ganz im Gegenteil.

Dieser Webfehler im System ist aber nicht durch Aktionismus heilbar.

Das Profitmotiv ist irgendwo im Stammhirn verortet, und hat mit sensiblen Hemmungserwägungen ala präfrontaler Cortex (Tschuldigung für diese Biologismen, aber manchmal sind sie schon hilfreich) wenig zu tun.

Auf deutsch:
Es kann nicht sein, dass 'wir' einschlagen auf diese Regime, wo die Krokodile doch bei uns herumkriechen.
Heckler und Koch, diese Software-Läden, die 'Aufklärungs'-Werkzeuge vor-Ort liefern.

Der 'Feind' ist um die Ecke!
Das erkennen wir eben aus simplen,wenn auch strikten Kohärenzerwägungen.

UND DAS MACHT MICH WÜTEND, dass wir wieder mal den 'Krieg' am falschen Ort führen, und nicht dort, wo die Kausalkette und die Fütterung des Krokodils,
--auch in UNS-- seinen Ursprung hat!

Mit 'Feinsinnigkeit' hat das nichts zu tun.
Allenfalls mit Dummheit=Kurzsichtigkeit.
 
"Aus so krummem Holz, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts Gerades gezimmert werden" (Immanuel Kant). Das ist das alte Lied von der ewigwährenden menschlichen Dummheit und Schlechtigkeit, gegen welche sogar die Götter vergebens kämpfen. Wenn man den Menschen ERST vernünftig machen wollte, um DANN mit ihm etwas Gutes zu schaffen, das wäre vergebene Liebesmühe ... ---> s.a. Pessimismus als einzig weltlich angemessene Denkform.
 
Ja, lieber Chat,
wir klammern uns alle an 'krumme' Metaphern, um uns über Wasser zu halten.

Was wollen wir sein?
Der Camus'sche Sysiphos war mein Vorbild zu Schulzeiten.

Ich hab mich immer geweigert, den kleinen Prinzen zu lesen.
Vielleicht ein grosser Fehler.

Wo Du Kant erwähnst: ich habe den Nachmittag verbracht, mich an ein paar Splittern von Schopenhauers Willensmetaphysik abzuarbeiten.
Da gibts beachtliche Denkfehler.
Schopenhauer war ja ein recht eingebildeter Mensch, der Goethe, den er ja persönlich kannte, des Ideenklaus bezichtigte.

Und Kant hatte er auch auf dem Kieker (Kicker?).
Haha.

Hoffentlich alles mal nachzulesen bei meinem Geheimprojekt ToraBora.
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